• Frederik von "Charlie 'n Rik"

Eine Fahrt durch das Wakhan Valley

Aktualisiert: Juni 10

Wir sind bereits seit einigen Monaten unterwegs auf unserer Fahrt entlang der Seidenstraße und inzwischen in Tadschikistan. Es ist Anfang Juli und die Tagestemperaturen erreichen auch in der Höhe angenehme Werte. Gegen Mittag verlassen wir den Ort Khorog, der an der M41 – dem Pamir Highway – gelegen ist. Noch in Khorog hat sich die Straße geteilt. Die M41 führt im Landesinneren weiter Richtung Osten, wir folgen jedoch der anderen Straße und fahren an der afghanischen Grenze entlang ins Wakhan Valley. Unser Blick schweift kontinuierlich hinüber auf die andere Seite des Panj. Der Grenzfluss trennt uns von dem Land, das in unseren Köpfen seit vielen Jahrzehnten nur mit Krieg und der Taliban assoziiert wird. Wir genießen den Blick in die grünen Oasen, die sich entlang des Flusses immer wieder von der hellen Landschaft abheben. Unser erstes Camp schlagen wir in einem kleinen Seitental auf. Unser Tagesablauf wird seit vielen Wochen bereits vom Sonnenlauf bestimmt. Es hat sich ein ganz natürlich wirkender Rhythmus eingestellt. Irgendwie leben wir daheim doch inzwischen gegen unsere biologische Uhr!? Gemeinsam mit unseren Freunden kochen wir uns noch ein leckeres Essen und sitzen mit einem Bier zusammen an den Fahrzeugen bevor es zeitig ins Bett geht.



Die Piste führt uns am nächsten Tag weiter durch kleine Ortschaften. Nach einer kleinen Wanderung fahren wir noch einige Kilometer weiter und kommen am Grenzmarkt von Ishkashim vorbei. Das ist der einzige grenzüberschreitende Markt mit afghanischen und tadschikischen Händlern. Leider ist er momentan geschlossen. Kurz hinter Ishkashim ist die Piste brutal und wir erlösen unsere Fahrzeuge für heute von dem Gerüttel. Wir suchen uns im Gelände oberhalb einen schönen Stellplatz und lassen den Tag mit wundervollem Blick in den Hindukusch ausklingen. Der Wind weht hier oben so kräftig, dass wir das Hubdach unten lassen und es uns lieber unten im Landy gemütlich machen. Wieder einmal merken wir, wie wichtig ein zweites Bett im Fahrzeug ist, das man auch mit geschlossenem Dach nutzen kann.



Bei traumhaftem Wetter frühstücken wir vor unseren Fahrzeugen und fahren zurück auf die Piste. Zum Glück kommt bereits nach wenigen Kilometern die Yamchun Festung, die ein ganzes Stück oberhalb liegt und einen traumhaften Blick über das hier breite Tal bietet. Wenige hundert Meter weiter locken unsere Freunde außerdem die Bibi Fatima Hotsprings. Den Nachmittag verbringen wir weiterhin auf der schlechten Piste bis zum Ort Langar. Ab hier führt das Haupttal weiter nach Afghanistan hinein. Wir folgen dem kleinen Seitental entlang der Grenze. Die Piste windet sich schnell auf über 3000 Meter hinauf. Ab hier werden wir für einige Zeit kontinuierlich über dieser magischen Grenze sein. Wir fahren nicht mehr weit und stellen uns unweit der wenig befahrenen Straße auf ein Plateau. Kann der Blick überhaupt noch besser werden? Irgendwie lässt sich hier oben alles nur noch mit Superlativen beschreiben. Aber wir befinden uns schließlich auf dem Dach der Welt, haben wir etwas anderes erwartet?



Bevor wir am nächsten Tag wieder die M41 erreichen, stoppen wir auf halber Strecke nochmals. Bei Khargush liegt Hausibeks Aussichtspunkt. Von dem ca. 4770 Meter hohen Gipfel hat man einen atemberaubenden 360° Blick in die umliegenden Berge. Der Aufstieg von der Straße auf 4200 Metern raubt einem allerdings ebenfalls den Atem. Nach dem wohl verdienten Mittagessen erreichen wir nachmittags die M41. Von hier aus wird es also in den nächsten Tagen weiter auf dem Pamir Highway in Richtung Kirgisistan gehen…


Das Wakhan Valley

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