• Charlotte von "Charlie 'n Rik"

Die letzten Rentiernormaden

Aktualisiert: Juli 2

Plötzlich sehen wir die Tipis unter den Bäumen stehen. Wir haben es endlich ganz in den Norden der Mongolei geschafft. Nach eineinhalb Tagen Offroadfahren und einem ca. 3 stündigen Pferderitt mit Bagy - unserem "horseman" - sind wir endlich bei den Tsaatan angekommen. Die Tsaatan leben nomadisch in der Taiga im Norden der Mongolei und zählen zu den letzten Rentiernormaden. Mehrmals im Jahr packen die Tsaatan all ihr Hab und Gut ein und wechseln je nach Jahreszeit ihren Standort. Es ist Ende September, sodass die Normaden bereits im tiefer gelegenen Wald der Taiga ihr Lager aufgeschlagen haben. Im Frühling und Sommer zieht es die Normaden in die recht karge Bergtundra, dann wäre der Pferderitt wesentlich länger ausgefallen. Im Winter schlagen sie ihre Tipis noch näher an den Dörfern auf, aufgrund des hohen Schnees sind sie dann jedoch nicht mehr mit Pferden zu erreichen. Nur die Rentiere sind in der Lage sich ihren Weg durch die Schneemassen zu bahnen.



Nach einem Tee mit Gamba - dem Oberhaupt der Gruppe - und seiner Frau im Tipi, zieht es uns nach draußen. Die Nadelbäume strahlen orange gelb in der Nachmittagssonne und nicht nur wir genießen die warmen Sonnenstrahlen, auch die Rentiere scheinen sie zu genießen. Wir streunern umher, versuchen uns mit Händen und Füßen mit den Tsaatan zu unterhalten und bestaunen die imposanten Tiere. Vor dem großen Geweih der erwachsenen Tiere haben wir zuerst doch etwas Respekt. Dieser verfliegt jedoch ganz schnell, als wir bemerken, mit was für einer großen Freude sie etwas mitgebrachtes Salz von den Händen schlecken. Die kleinen Rentiere freuen sich hingegen über ein paar Streicheleinheiten.


Die letzten Rentiernormaden | Charlie 'n Rik GmbH



Da das "Gästetipi" belegt ist, dürfen wir bei Gamba und seiner Frau im Tipi übernachten. Nachdem wir unser mitgebrachtes und Gambas Frau ihr Abendessen zubereitet hat, werden alle Speisen geteilt. Wir verbringen einen unvergesslichen Abend im Kreise von Gamba, seiner Frau und einigen "horseman". Nach einigen Runden Wodka legen wir uns müde und mit unendlich vielen Eindrücken in unsere Schlafsäcke. Da es nachts sehr kalt werden kann, deckt uns Gambas Frau besorgt mit zwei weiteren Wolldecken zu und drückt mir einen guten Nacht Kuss auf die Wange.




Als wir am nächsten Morgen aufwachen, können wir unseren Augen kaum glauben. Es hat geschneit und die Herbstlandschaft hat sich über Nacht in eine traumhafte Winterlandschaft verwandelt. Wir hätten es nicht besser antreffen können, so durften wir die Taiga in strahlenden Herbstfarben und mit Schnee bedeckt erleben. Es ist ziemlich kalt geworden. Wir können nur erahnen wie kalt es hier im Winter wird, wenn soviel Schnee liegt, dass es kein Durchkommen mit den Pferden mehr gibt, sondern nur noch auf dem Rücken der Rentiere.

Am Mittag machen wir uns auf dem Pferderücken wieder auf den Weg ins Tal. Wir sind schwer beeindruckt von den Tsaatan, die mit solch einem Stolz und einer unvergleichbaren Zufriedenheit in dieser kargen Landschaft leben und werden diesen Ausflug wohl nie vergessen.

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